Fragen und Antworten rund um den Mauersegler, Vorstellung von Projekten und Kolonien
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traudich
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von traudich »

Heute klingelte, wie schon von mir erwartet, einige Male das Telefon. An drei Stellen im Landkreis Mauerseglerfunde. Trotz Gewitter wurden alle Findlinge noch bei uns abgegeben. Drei schon so gut wie ausflugfähig und ein untergewichtiges Sorgenkind. Zwei der Findlinge waren schon verstorben bevor der Weg zu uns angetreten war.
Den kleinen JV habe ich gefüttert und morgen setze ich alle in ein geeignetes Nest. LG
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traudich
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von traudich »

Am Freitag bekam ich zwei kleine Mauersegler. Leider hatte ich den Gefiederschaden nicht entdeckt bzw. vielleicht war er auch noch garnicht erkennbar. Am Samstag war jedenfalls schon gut zu erkennen, dass da wahrscheinlich jemand falsch gefüttert hat. Nachdem ich ihn 3 Tage gefüttert habe, die Federn immer mehr z. T. schon abbrachen… der Weg heute schweren Herzens zum Tierarzt. LG
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Steffen
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von Steffen »

Hallo zusammen,
aufgrund der heißen Tage waren wieder alle Pfleger mit Mauerseglerfindlingen überlastet. In unserer NABU-Gruppe gingen einige Anrufe zu Fundtieren ein. Adoptivküken könnten ja helfen die Pfleger zu entlasten. Leider habe ich keinen Zugriff auf eine ausreichend große Kolonie, die müssen erst noch entstehen. An einer Schule ist ein Brutpaar eingezogen und bei einer Privatperson brütet das Verlobungspaar aus dem letzten Jahr. Die Kästen sind nicht videoüberwacht, was aber eigentlich ganz schön wäre und auch nicht immer einfach zu erreichen. Ich hoffe, dass wenn die Pflegerin Adoptivküken abgeben kann, insgesamt mehr Findlinge versorgt werden können. Wenn es im Raum Krefeld, Willich, Duisburg jemanden gibt der Adoptivküken aufnehmen würde bitte melden. Sicherlich kann über die Pflegerin sichergestellt werden, dass sich die Adoptivküken in einem stabilen Zustand befinden. Vielen Dank!
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traudich
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von traudich »

Möchte an dieser Stelle einige Tipps und Hinweise bzgl. Adoptivküken geben:
-Keine Küken einsetzen, wenn kein Einblick in den Kasten möglich ist.
-immer nur 1 Küken in ein Nest dazusetzen, damit sich die Futterintervalle anpassen können.
-nur gut genährte (40g) in ein zweier Nest setzen.
-schwache Küken zu einem Einzelküken
-wenn die Küken gut genährt sind ist auch ein „ aufstocken“auf 4 Küken möglich.
Bitte kein „ blindes“ Einsetzen wenn man die Situation im Kasten nicht kennt.
Vor dem Einsetzen, Federn auf Hitzeschäden untersuchen.
Viel Erfolg. LG
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Andi
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von Andi »

traudich hat geschrieben: Mo 6. Jul 2026, 08:40 Möchte an dieser Stelle einige Tipps und Hinweise bzgl. Adoptivküken geben:
-Keine Küken einsetzen, wenn kein Einblick in den Kasten möglich ist.
-immer nur 1 Küken in ein Nest dazusetzen, damit sich die Futterintervalle anpassen können.
-nur gut genährte (40g) in ein zweier Nest setzen.
....
Viel Erfolg. LG
Hallo Traudich,

ich finde es wirklich klasse, wie du das mit den Adoptivküken hinbekommst und versuchst, das Thema bekannter zu machen und den Leuten die Angst zu dem Thema zu nehmen. 👍

Da wir hier auch eine spezielle Mauersegler-Auffangstation in der Nähe haben und meine Mauersegler-Kolonie langsam wächst, würde ich das Thema Adoptivküken im nächsten Jahr ebenfalls gerne angehen, um die Auffangstation etwas zu unterstützen. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls vorhanden: In all unseren Kästen sind Kameras installiert und sie sind gut erreichbar.

Deine Tipps sind wirklich sehr hilfreich! Ich hätte allerdings noch ein paar konkrete Fragen:
  1. Die Adoptivküken kannst du ja problemlos wiegen. Wie machst du das mit den Jungvögeln in den Nestern? Wiegst du diese ebenfalls, bevor du die Adoptivküken dazusetzt, oder orientierst du dich grob am Alter der Jungvögel und nutzt entsprechende Tabellen mit den Durchschnittsgewichten? Konkret frage ich mich, was du alles machst, um eine möglichst gute Zuordnung der Adoptivküken zu den vorhandenen Jungvögeln hinzubekommen.
  2. Wie stellst du bei dem Trubel in den Kästen fest, ob das Adoptivküken auch tatsächlich gefüttert wird? Die Fütterungen gehen ja oft so schnell, dass man kaum erkennen kann, welcher Jungvogel gerade gefüttert wurde. Wiegst du zur Kontrolle die Adoptivküken und die anderen Jungvögel im Nistkasten regelmäßig?
  3. Markierst du die Adoptivküken irgendwie? Ich stelle mir vor, dass sie sich sonst nur schwer auseinanderhalten lassen. 😊
  4. Gibt es bei den Küken ein Mindest-/Höchstalter für Adoptivküken
  5. Kann man auch unterernährte Jungvögel in Nester mit Küken setzen, die ein anderes Alter haben aber das gleich Gewicht
  6. Wie ist eigentlich die Mobbing-Quote?
  7. Nimmst Du bei den Brutpaaren ein Mindestalter an Bruterfahrung, um ein Adoptivküken dazu zu setzen? Ich frage deshalb, weil Erstbrüter ja i.d.R. nur 2 Junge großziehen (können).
Du merkst, ich habe viele Fragen zu dem Thema ;) . Es wäre klasse, wenn du mir hierzu ein paar Informationen geben könntest! Das interessiert bestimmt auch viele andere hier, die bereits größere Kolonien haben und sich ebenfalls mit dem Thema Adoptivküken beschäftigen oder es in Erwägung ziehen.

Viele Grüße

Andi
Abk: Mauersegler > MS, Schwalben > Schw

> 2016 MS: Start Ansiedlung
- 2024 MS: 1. VP , Schw: 0 BP
- 2025 MS: 1 BP aus Vorjahr, 2 neue BP, 6 Eier, 6 Jungvögel, Schw: 0 BP
- 2026 MS: 3 BP aus Vorjahr, 2 neue BP, 10 Eier, 2 zerstörte (Partnerwechsel) + 6 denaturierte, 2 Jungvögel, Schw: 0 BP
MS Nistkästen: 26 mit CAM, Schw Nistplätze: 10
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traudich
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von traudich »

Fast alle der hier abgegebenen Fund-MS haben eine aufregende Geschichte.. eine aus diesem Jahr:
vor gut zwei Wochen hatte ich eine Nachricht auf dem Handy welche MS betraf. Ich meldete mich zurück und erfuhr, dass die Finderin einen (wahrscheinlich) MS auf einer Grasfläche in Hannover Innenstadt gefunden hatte, was aber auch schon am Abend vorher stattgefunden hatte. Ich bat um ein Foto um abzuklären ob es überhaupt ein MS ist und ob JV. (Einige Tage zuvor brachte mir jemand ein MS, der aber eine Mehlschwalbe war🫣/gestrandete AV nehme ich nur in Aussnahmefällen)
Tatsächlich Mauersegler und JV und ich zählte die Optionen auf, TMH, Wildtierstation oder zu mir was wahrscheinlich der weiteste Weg wäre. Nach kurzer Bedenkzeit ihrerseits erschien die Nachricht „ Ich fahre los“.
Nach gut 1 1/2 Std kam die Finderin an und war sichtlich erschöpft von alledem.
Der JV befand sich in einem Übertopf auf einer Grasunterlage, so dachte ich. Als ich den MS aber anhob stellte sich raus, dass sich eine Handvoll Gras zu einem Kneul zusammengedreht um sein eines Bein gewunden hatte. Nachdem er von diesem Ballast befreit war setzte ich ihn auf die Waage und sah, dass sich meine Einschätzung bestätigte..27 Gram.
Den wenigen Kot den er abgab war flüssig und grün.. kein gutes Zeichen.
Die Finderin fuhr, nachdem sie sich hier erholt und gestärkt hatte, in ihrem überhitztem ( kein Klimaanlage) Auto zur Landeshauptstadt zurück.
Der JV war nicht nur Untergewichtigt sondern, an seinem Verhalten konnte man erkennen, dass er nicht nur kurze Zeit auf der Grasfläche verbracht hatte.
Ich habe ihn einige Tage in kurzen Abständen mit kleinen Portionen gefüttert bis seine Verdauung normal war. Danach in ein Nest mit einem JV was er erkennbar genoss. Der Nestbesitzer konnte sich dem Nähe suchenden Eindringling kaum erwehren. Als ich nach 3 Tagen auf die Waage sah war ich nicht erfreut😩er hatte abgenommen was mich überraschte.. aber nix zu machen. JV wieder raus und Einzelfütterung bis auf 32 Gram. Dann habe ich ihn wieder zurück ins Nest gesetzt und, wenn die Luft rein war, (kein AV im Nest), gefüttert. Seitdem steigt sein Gewicht und ich bin sehr froh darüber. Sein Mitbewohner ist gestern ausgeflogen und er ist, für die letzten Tage, ein Einzelküken.
Ich habe der Finderin einige Male ein Update geschickt und sie hat mir, als Dankeschön, ein Gedicht geschrieben.
Bleibende Erinnerungen🥰LG
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von Thömmes »

@Siegrid : was für eine tolle Finderin :D :thumbup:
Alles Gute für den kleinen Pechvogel.

Liebe Grüße
Thomas
2026:
Kästen 26 (Projektbeginn 2017)
Erwartet 23 Segler
Ankünfte: 20/4 2 MS, 22/4 1 MS, 23/4 1 MS,
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von traudich »

@ Andi
Zu deinen Fragen bzgl. Adoptivküken:
Zu Saisonbeginn schreibe ich mir immer Eckdaten auf damit ich weiß wie viele Eier gelegt und wie viele Küken im Nest sind.
Wenn größere Küken gut genährt sind ist es nicht ratsam sie aus dem Nest zum wiegen zu nehmen denn sie krallen sich massiv in der Nistmulde fest und können sich dabei verletzen. Auch ist die Gefahr, dass bei solch einem Vorgang sich ein AV dazugesellt hat. Wenn man das dann nicht bemerkt ist es nicht so gut. Deshalb auch hier: nur soviel Störung wie nötig.
Bei bis zu 20 Tage alten Küken ist das aber kein Problem und wenn sie das Herausnehmen gewöhnt, sind ist das auch problemlos.
Wichtig ist aus meiner Erfahrung, dass das zugesetzte Küken eher älter aber nicht viel jünger ist, als der Nestbesitzer.
Ein Altersunterschied der Küken spielt bei den anderen Küken und den AV keine Rolle. Mobbing gibt es da nicht. Ich habe aber den Verdacht dass AV, nach Ablauf der Fütterungsphase (ungf. 40 Tage), die Fütterung verringern.. also die Saison nicht künstlich verlängern.
Ich markiere die JV nicht und kann tatsächlich nicht feststellen ob die Küken gleichmäßig versorgt werden. Das gewisse Konstellationen funktionieren stelle ich fest, wenn ich Sorgenkinder einsetze und sie dann regelmäßig wiege. Diese Erfahrung übertrage ich auf andere Situationen.
Das ständige Kontrollieren des Gewichtes der JV wäre viel zu stressig für die Nester und ich bin immer sehr bemüht Nutzen und Störung abzuwägen.
Zu Hitzezeiten Ende Juni hatten hier alle Auffangstationen Aufnahmestopp und nach Tagen erzählte mir ein Mitarbeiter, dass ein Teil der MS und Schwalben getötet werden musste weil die Überlebenschance gering waren und man der Menge nicht mehr Herr werden konnte. Außerdem sei das Futter für die Vögel teilweise so minderwertig dass sie kaum auf ein ordentliches Gewicht kämen. Das ist mich mich Grund JV hier in der Kolonie einzusetzen.
LG
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Andi
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von Andi »

traudich hat geschrieben: Do 30. Jul 2026, 09:58 @ Andi
Zu deinen Fragen bzgl. Adoptivküken:
Zu Saisonbeginn schreibe ich mir immer Eckdaten auf damit ich weiß wie viele Eier gelegt und wie viele Küken im Nest sind.
Wenn größere Küken gut genährt sind ist es nicht ratsam sie aus dem Nest zum wiegen zu nehmen denn sie krallen sich massiv in der ....
....
Zu Hitzezeiten Ende Juni hatten hier alle Auffangstationen Aufnahmestopp und nach Tagen erzählte mir ein Mitarbeiter, dass ein Teil der MS und Schwalben getötet werden musste weil die Überlebenschance gering waren und man der Menge nicht mehr Herr werden konnte. Außerdem sei das Futter für die Vögel teilweise so minderwertig dass sie kaum auf ein ordentliches Gewicht kämen. Das ist mich mich Grund JV hier in der Kolonie einzusetzen.
LG
@Sigrid,
vielen Dank für die vielen Infos! Ich finde es vor allem sehr toll das du hier sehr pragmatisch vorgegangen bist :thumbup: !
Nächstes Jahr werden wir mal schauen, wie groß die Kolonie wird und wenn unsere Mauerseglerhilfe im Nachbarort dringend Hilfe braucht werden wir mal schauen, ob wir uns an das Thema Adoptivküken trauen ...
Viele Grüße
Andi
Abk: Mauersegler > MS, Schwalben > Schw

> 2016 MS: Start Ansiedlung
- 2024 MS: 1. VP , Schw: 0 BP
- 2025 MS: 1 BP aus Vorjahr, 2 neue BP, 6 Eier, 6 Jungvögel, Schw: 0 BP
- 2026 MS: 3 BP aus Vorjahr, 2 neue BP, 10 Eier, 2 zerstörte (Partnerwechsel) + 6 denaturierte, 2 Jungvögel, Schw: 0 BP
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