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traudich
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Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von traudich »

Wie kam es dazu:
Am 3. Juli brachte mir eine Freundin einen aus dem Nest gefallenen Mauersegler.
Die Wildtierstation war geschlossen, der Segler sah gut aus hatte aber schon einige Stunden auf der Fensterbank verbracht, als Gastgeschwister bot sich der Kasten 6 an mit 3 Jungen von 24 Tagen.
Ich habe den "Städter" eingesetzt wo er noch 18 Tage versorgt wurde und, einen Tag nachdem seine Geschwister ausgeflogen waren, am 20. Juli ausflog.

Anfang Juli hat sich sowohl die UNB wie auch die Leitung der Wildtierstation die Kolonie mitsamt der Kontrollmöglichkeiten angesehen.

Am 17.7. wurden 4 Jungvögel eingesetzt:
- die Zugesetzten aus Kasten 1 und 5 flogen bald aus, was wir auch vermuteten
- die Zugesetzten aus Kasten 3 und 12 flogen mit den "Kastenbesitzern" aus.
Hier hatten wir darauf geachtet, dass die Segler ein gutes Gewicht hatten. Es kam aber die Frage auf ob es vielleicht besser wäre Segler einzusetzten, die sich schlecht füttern ließen??
Da es keinerlei Abwehr bei den Seglern kam beschlossen wir, weite Segler einzusetzen.

Am 22.7. wurden 6 Segler eingesetzt:

- die Zugesetzten aus Kasten 1 und 5 flogen wieder zeitnah aus.
- in Kasten 3 und 12 setzten wir jetzt das zweite Küken, als Sorgenkind, dazu.
- in Kasten 8 und 10 setzten wir zu drei eigenen, einen Segler mit Normalgewicht.

Am 6.8. wurden 2 Segler eingesetzt:
- in Kasten 9 und 11
hier ist ein Segler verstorben; den noch verbliebenen und einen mir gebrachten Segler wurden einige Tage später in die Wildtierstation übergeben weil die Altvögel kaum noch fütterten und wir für einige Tage nicht zu Hause waren.

Zusammenfassung:
Die in Kasten 1 und 5 eingesetzten Segler waren im ausflugfähigem Alter und zeigten kein Interesse mehr an Familienbildung.
Die in Kasten 3 und 12 eingesetzten gut genährten Segler flogen fast zur gleichen Zeit aus wie die "Hausbesitzer".
Das in Kasten 3 zugesetzte "Sorgenkind" flog schon nach 4 Tagen aus und ich hoffe, dass mir die Krankenakte mehr Aufschluss darüber gibt :S
Das in Kasten 12 zugesetzten "Sorgenkind" war durch seine Hyperaktivität sehr auffällig und ich bezweifelte einen guten Ausgang. Am dritten Tag aber lag dieses einst zappelige Küken ruhig zwischen seinen Artgenossen und flog zwei Tage vor seinen Geschwistern aus.
Die in Kasten 8 und 10 eingesetzten waren der 4te im Gelege und flogen fast zur gleichen Zeit aus wie die Halbgeschwister (hier half mir immer als Unterscheidung die Beringung der Jungvögel aus der Wildtierstation)
Beim Zusetzten in Kasten 9 und 11 habe ich folgenden Fehler gemacht:
die Diskrepanz (Gewicht Alter Mobilität) zwischen unseren und den Zugestzten war bei einem Segler zu groß. Einfacher ausgrdrückt: unsere Segler waren zu dick / dominant.

Bilanz
- haben Segler ein gewisses Alter erreicht sind sie nicht mehr am Familienleben interessiert sondern sie sind auf Kurs; ausfliegen. Trotzdem gab es keine Abwehr seitens der Altvögel - alles harmonisch
- in drei Kästen gab es, 15 oder 18 Tage, vier Segler. Hier haben wir daraus geachtet, dass alle Segler in guter Verfassung waren und die Wetterlage und somit das Nahrungsangebot, gut war.
- in Kasten 3 verlängerte sich die Fütterungszeit aufgrund des zugesetzten Seglers um 11 Tage. Hier hatte ich irgendwann den Verdacht, dass der Segler nicht mehr genug zunahm und ich mir die Frage stellte: warum?

Bleibende Fragen:
gibt es innerhalb der Fütterungszeit einen Rythmus der durch die Jungsegler bestimmt wird? Auf Nachfrage bei einer "Päpplerin" wurde mir bestätigt, dass Jungsegler nach gewisser Zeit weniger Betteln egal wie schwer sie sind. Ein Idealgwicht somit nur mit "Zwangsfütterung" möglich ist. Diesen und ähnlichen Fragen will ich während der nächsten Wochen und Monaten nachgehen um im nächsten Jahr besser vorbereitet zu sein.

Ich möchte aber allen, die die Möglichkeit haben Jungvögel in ihrer Kolonie einzusetzen, dazu ermutigen. Erkundigt euch ob es in eurer Nähe einen Bedarf dorthingehen gibt.
LG
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Thomas-NRW
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von Thomas-NRW »

Hallo Siegrid,
Ich hatte erst Vorgestern der Frau , die eine private Wildvogelstation betreibt ( Ich hatte ja die verwaisten Mauerseglerküken zu ihr gebracht , welche dann leider verstorben waren ), diesen Vorschlag gemacht. Sie war sich aber nicht ganz sicher, doch ich hatte ihr gesagt , das es bei ungefähr Gleichaltrigen eigentlich kein Problem geben dürfte. Sie wollte sich noch mal erkundigen , wobei sie Bedenken in die Richtung äußerte,das die ihr zur Pflege gebrachten Segler oft irgendwelche Schäden hätten.Die beigesetzten Segler sollten natürlich keine Einschränkungen aufweisen, wie ich erwiederte.Sollten sich im nä. Jahr Möglichkeiten ergeben,werde ich es nochmal ansprechen ,nebenbei erspart es ihr auch Kosten.Sie plant übrigens Schwalben bei Bedarf zu überwintern.
Ich weiß ja auch noch nicht was aus meinen zwei Spätbruten der Mehlschwalben wird.Heute ist das letzte der insgesamt.vier Küken geschlüpft .
Schöne Grüße Thomas
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traudich
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von traudich »

Hallo Thomas,
dass bei dir eine Wildvogelstation in der Nähe ist, ist ja schon mal von Vorteil.
Im nächsten Jahr wäre darauf zu achten wann die Jungvögel schlüpfen und wie viele pro Nest es dann sind. Nestern mit einem oder zwei Jungvögeln kann man bedenkenlos Jungvögel zusetzen die ähnlich alt und nicht unterernährt sind.
Falls dann potentielle "Pflegestellen" bei dir vorhanden sind könntest du das der Station mitteilen und man hat entweder selber "Kandidaten" oder kann Bedürftige vermitteln.
Thomas-NRW hat geschrieben: Sa 28. Aug 2021, 16:32 ,nebenbei erspart es ihr auch Koste

Das ist sicher ein Aspekt aber ein viel wichtigerer ist, dass die Segler wesendlich besser aufwachsen.
LG
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Andreas
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von Andreas »

Eine tolle Aktion des NABU:

NABU Berlin baut Adoptions-Nistkästen für Mauersegler

Bei der anstehenden Hitze geht es bestimmt wieder los mit Hitzeflüchtlingen. Dazu noch zwei aktuelle Berichte:

Hitze kommt im Norden

Hunderte tote Jungvögel in Spanien

An dieser Stelle möchte ich nochmal an die Möglichkeit erinnern, das Mauersegler i.d.R. problemlos fremde Küken annehmen. Wichtige Infos dazu hier, falls ihr die Möglichkeit habt Adoptivküken einzusetzen und dazu bereit seit nehme ich euren Standort gerne in die Karte der Ammennester für Mauersegler auf.
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traudich
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von traudich »

Möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich im Forum unter "Adoptivküken in bestehende Kolonie einsetzen" meine Erfahrungen diesbzgl. dargestellt habe. Auch in diesem Jahr werden hier Jungvögel eingesetzt. Möchte aber darauf hinweisen, dass ich dies nur empfehlen kann wenn gleichalterige Küken in einem Nest kommen und eine gute Beobachtung gewährleistet ist. Ein "blindes" Einsetzen mag die Auffangstationen entlasten sind aber für die neue Familie problematisch :rolleyes:
LG
Zuletzt geändert von Andreas am Fr 17. Jun 2022, 13:02, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Beide Beiträge zur "Adoption von Mauersegler-Küken" zusammengeführt
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von Dodo »

traudich hat geschrieben: Fr 17. Jun 2022, 10:23 Möchte aber darauf hinweisen, dass ich dies nur empfehlen kann wenn gleichalterige Küken in einem Nest kommen und eine gute Beobachtung gewährleistet ist. Ein "blindes" Einsetzen mag die Auffangstationen entlasten sind aber für die neue Familie problematisch :rolleyes:
LG
Den Hinweis halte ich für wichtig! :thumbup:
Hoffen wir das nicht so viele Adoptivküken untergebracht werden müssen.

Gruß Maddin
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von Andreas »

traudich hat geschrieben: Fr 17. Jun 2022, 10:23 Möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich im Forum unter "Adoptivküken in bestehende Kolonie einsetzen" meine Erfahrungen diesbzgl. dargestellt habe.
Hallo Siegrid, danke für den Hinweis! Ich habe beide Threads zusammengeführt, damit wir nicht an zwei verschiedenen Stellen darüber schreiben.
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traudich
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von traudich »

Am Samstag bekam ich einen kleinen Mauersegler der nur 24 wog. Da die Wildtierstation geschlossen hatte, habe ich, da der Jungvogel sonst ok zu sein schien, zu einem gut genährtem Artgenossen gesetzt.
- am Sonntag war ich beruhigt, dass das Gewicht sich auf 25 Gramm stabilisiert hatte
- am Montag traute ich meinen Augen nicht..31 Gramm
- am Dienstag schon 36
- am Mittwoch 38
- am Donnerstag 41 :thumbup: :thumbup:
Denke mal, dass es daran liegt: keine große Konkurrenz und gutes Nahrungsangebot
LG
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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von heburg »

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Hier das Video unserer Aktion

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Re: Adoptivküken in bestehender Kolonie einsetzen

Beitrag von traudich »

traudich hat geschrieben: Sa 28. Aug 2021, 15:13 Das in Kasten 3 zugesetzte "Sorgenkind" flog schon nach 4 Tagen aus und ich hoffe, dass mir die Krankenakte mehr Aufschluss darüber gibt
Im Herbst habe ich mir die Krankenakte des "Sorgenkindes" angesehen um der Frage nachzugehen warum der schlecht genährte kleine Mauersegler ausgeflogen war :huh:
Er war, wie die meisten seiner Artgenossen, aus dem Nest gefallen und die Hausbesitzer hatten ihn mehrere Tage mit falschem Futter versorgt, was wohl zu dem schlechten Zustand des Gefieders führte.
Ich hatte aufgrund seines Gewichtes und Größe damit gerechnet, dass es noch ungef. zwei Wochen im Nest bleiben würde und wunderte mich, über seine unermüdlichen Aktivitäten die eigentlich auf ein baldiges Ausfliegen hinweisen.
Nach vier Tagen war er weg und beim Berechnen seiner "Laufbahn" kam ich bei seinem Ausflug auf sein Alter von 41 Tagen.
Das hat mir gesagt, dass das Zählwerk läuft und sie nach gewisser Zeit dem Zugtrieb folgen und ausfliegen .. egal in welchen Zustand :huh:
Ich denke nicht, dass er eine Überlebenschance hatte :(
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