Tips und Berichte zur Ansiedlung von Mauerseglern wie Lockrufe, Schaffung von Nistplätzen
Hamburg
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Frage zu meinen ersten Mauersegler-Bruten und zum Nistverhalten

Beitrag von Hamburg »

Hallo zusammen,

im letzten Jahr habe ich drei Doppelnistkästen von Schwegler aufgehängt und diese mit einer Lockrufanlage beworben. In diesem Jahr konnte ich tatsächlich in zwei Nisthöhlen Mauerseglerpaare beobachten. Die übrigen Kästen wurden ebenfalls immer wieder, wenn auch recht unregelmäßig, angeflogen.

Nun zu meiner ersten Frage: Wie viel Flugverkehr kann man während der Fütterungszeiten normalerweise erwarten? Zeitweise hatte ich den Eindruck, dass die Kästen gar nicht belegt seien, weil die beobachteten Paare so selten an- und abgeflogen sind.

Gestern hatte ich spontan die Gelegenheit, in die inzwischen verlassenen Nestboxen zu schauen. Dabei habe ich in zwei Nisthöhlen tatsächlich etwas gefunden, das wie ein Nest aussieht.

Dazu hätte ich gleich noch eine zweite Frage: Wie sieht ein typisches Mauerseglernest im ersten Brutjahr aus, wenn keine Nistmulde eingelegt wurde? Ich habe bisher bewusst auf Nistmulden verzichtet, weil ich in einem englischsprachigen Beitrag gehört habe, dass Mauersegler diese eigentlich nicht benötigen und dadurch nur „gemütlich“ werden. Mich würde interessieren, ob jemand von euch Erfahrungen mit Bruten ohne vorgegebene Nistmulde hat und wie die Nester in solchen Fällen normalerweise aussehen.

Vielen Dank schon einmal für eure Antworten!

Gruß Noel

P.S.: Durch den vermeintlichen Erfolg beflügelt, habe ich inzwischen neun weitere, selbstgebaute Nistkästen gebaut und an unserem Nebengebäude aufgehängt. Auch diese wurden in diesem Jahr bereits angeflogen. Jetzt hoffe ich natürlich, dass sich daraus in den kommenden Jahren eine kleine Mauerseglerkolonie entwickelt. 😊
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H.-G.
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Re: Frage zu meinen ersten Mauersegler-Bruten und zum Nistverhalten

Beitrag von H.-G. »

Guten Morgen Noel!
Läuft doch! Mit der Belegung von zwei Nistplätzen im ersten Jahr bist Du schon mal sehr gut gestartet. Gleichzeitig hast Du - ganz nebenbei und wahrscheinlich unabsichtlich - den Beweis geliefert, dass Nistkästen wie der Schwegler MF1 auch belegt werden können. Wir hatten im Sommer eine kleine Diskussion darüber, weil bei Heiner (@SusHei) dieses Modell mehr oder weniger ignoriert wird und auch weitere Rückmeldungen waren eher skeptisch (siehe Hier und Hier ).
Zu Deiner Frage, wir oft fütternde AV einfliegen, würde ich sagen: weniger als erwartet. Zwischen zwei Einflügen fütternder AV können Stunden liegen, aber manchmal auch nur wenige Minuten. Das wäre der Fall, wenn beide Eltern kurz nacheinander zur Fütterung einfliegen. Ich habe bei meiner Kolonie eine Beobachtung gemacht, die ich nur fütternden Seglern zuordnen konnte: Abends fliegen kurz vor der Dämmerung alle Segler in ihre Kästen, Brüter sowie auch Nichtbrüter. Wenn Junge im Nest sind, fliegt oft noch einer, manchmal beide (wenn die Küken etwas größer sind) aus, um erst dann zurückzukommen, wenn es gerade noch hell genug zum Einfliegen ist. Bei VPs oder Seglern auf Eiern habe ich das nicht beobachtet.
Deine zwei Kästen zeigen eindeutig Spuren von Mauersegler-Nestbauaktivitäten. Für eine Aufzucht von JV sehen beide Nester allerdings etwas zu sauber aus. Die Nester haben ja auch noch keine Muldenstruktur. Ich finde es schade, dass Du keine Nestmulden eingesetzt hast, denn das wäre in diesem Fall der mögliche Schlüssel zum Erfolg gewesen. Falls da wirklich Eier gelegt wurden, werden die den Nestbereich schnell verlassen haben und durch die Aktivitäten der Segler im Kasten früher oder später versehentlich aus dem Einflug befördert worden sein. Sobald ein Ei außerhalb des Nestes liegt, wird es von den Seglern nicht mehr beachtet.
Dein Englischsprachiger Artikel ist für mich - höflich gesagt - unter der Rubrik Alternative Fakten einzuordnen! Ich petsönlich benutze zuhause einen Wasserhahn und laufe nicht mehr für jeden Schluck Wasser zur Quelle. Macht mich das " gemütlich" und fami weniger lebenstauglich??? Ich finde es einfach gruselig, wenn Menschen ihre persönliche Meinung als erwiesene Tatsache veröffentlichen, nur weil sich darin ein Hauch von innerer Logik befindet. Mauersegler finden als Nachmieter fremder Arten fast immer eine vorgeformte Nestmulde in den besiedelten Hohlräumen. Spätestens im zweiten Jahr einer Besiedlung ist auf jeden Fall so etwas wie eine leichte Nistmulde vorhanden. Also werden brutwillige Segler fast immer kein komplett neues Nest bauen müssen. (Wohl alle zu gemütlich :o ). Die glatte Nistkastenoberfläche ist unnatürlich. Deshalb die schwierigen Starts in neuen Nistkästen und deshalb der Einsatz von Nistmulden. Vermutlich hat die in meinen Augen dumme Behauptung Dich zwei Bruten gekostet. Deshalb würde ich im nächsten Jahr auf jeden Fall Mulden einsetzen. Infos dazu findest Du im Forum zum Glück genug (ich könnte mir z.B. gut die Knetbeton-Variante vorstellen, wie sie Michael (@Bodensee Mauersegler) einsetzt.
Wenn alles normal läuft, werden in Hamburg 2027 aber mindestens zwei Paare, eher mehr erfolgreich brüten.
Liebe Grüße H.-G.
30 + 5 Nistplätze, 26 Kameras

2024: 26 von 34 Plätzen belegt, 56 JV/23 Nester, 3 VPs
2025: 66 JV in 29 Nestern, eine erfolgreiche Vierer-Brut
2026: 82 JV in 32 Nestern, eine erfolgreiche Vierer-Brut, 1-2 VP
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Thömmes
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Re: Frage zu meinen ersten Mauersegler-Bruten und zum Nistverhalten

Beitrag von Thömmes »

Hallo Noel,

willkommen im Forum. Ein schöner Erfolg mit zwei fest angesiedelten Verlobungspaaren nach so kurzer Zeit :thumbup: Die Meisten hier wären damit sehr glücklich gewesen.
Auch schön, dass anscheinend die M/F WG Kästen auch problemlos besiedelt werden können. Mit guten Nistmulden wäre es vielleicht schon dieses Jahr zu Bruten gekommen. Das mühsam eingetragene und verklebte Nistmaterial bildet noch lange keine Mulde und hätte keine erfolgreiche Brut erlaubt. Selbst nächstes Jahr haben sie damit noch viel Arbeit und es ist weiterhin ungewiss, ob sie ein Gelege erfolgreich erbrüten können.
Ich kann nur immer wieder dazu raten, die sichersten Nistmulden einzusetzen in Form eines passenden 1,8-2 cm dicken Holzbretts, mit 8 cm DM Lochsäge komplett durchsägen, die oberen 5 mm mit einer Fräse auf eine 45° Phase fräsen, die Mulde im vom Einflug abgewandten Teil des Kastens je 2,5 cm ,von der Rückwand und Seitenwand platzieren. Wenn der Einflug höher liegt kann das Holzbrett die ganze Bodenfläche des Kastens einnehmen, bei niedrigem Einflug nur die hintere Hälfte.
Unter die Bretter habe ich Milchkarton geklebt, so kann ich die Bretter samt intaktem Mauerseglernest auch aus dem Kasten nehmen, z. B. zu Reinigungszwecken.
Sie bauen wunderbare Nester darin, kommen schnell zur Brut und es gibt kaum Eiverluste, s. Foto.
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Ja, Menschen denken sich oft seltsame Sachen aus. Die Nistmulden sichern die Eier und kleinen Küken ab, falls die Eltern noch unerfahren sind, oder es mal Aufruhr im Kasten gibt. Sie können auch fast ohne Nistmaterial mit der Brut beginnen, was angesichts der kurzen Saison zu begrüßen ist. Alle Paare bauen diese Mulden mit der Zeit zu schmuckvollen Nistnäpfen aus. Gewiss sind manche Segler sehr gute und eifrige Nestbauer und andere weniger. So kommen alle recht früh nach Ansiedlung zum Bruterfolg.

Liebe Grüße
Thomas
2026:
Kästen 26 (Projektbeginn 2017)
Erwartet 23 Segler
Ankünfte: 20/4 2 MS, 22/4 1 MS, 23/4 1 MS,
Hamburg
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Re: Frage zu meinen ersten Mauersegler-Bruten und zum Nistverhalten

Beitrag von Hamburg »

Hallo H.-G., hallo Thomas,

vielen Dank für eure freundlichen, ausführlichen und sehr hilfreichen Antworten! Eure Argumentation leuchtet mir absolut ein. Vor allem der Hinweis, dass Mauersegler als Nachmieter fremder Arten in bereits besiedelten Hohlräumen fast immer eine vorgeformte Nestmulde vorfinden, ist für mich sehr nachvollziehbar.

Die von Thomas gezeigten Nistmulden sind ja zum Glück auch ziemlich einfach herzustellen. Ich werde mich deshalb für die nächste Saison auf jeden Fall damit beschäftigen und die Kästen entsprechend vorbereiten.

Natürlich ist es im Nachhinein etwas schade, dass ich mich von dem englischsprachigen Artikel habe beeinflussen lassen und dadurch vielleicht tatsächlich eine frühere Brut verhindert wurde. Aber man lernt eben dazu – und dank eurer Erfahrungen kann ich es im nächsten Jahr besser machen.

Umso mehr freue ich mich jetzt über die zwei angesiedelten Verlobungspaare und bin gespannt, wie es 2027 weitergeht. Vielleicht werden daraus dann ja tatsächlich die ersten erfolgreichen Bruten.

Vielen Dank nochmals für eure Unterstützung und die konkreten Tipps!

Liebe Grüße
Noel