In den letzten 10 Jahren gab es vereinzelt mal kurze Auseinandersetzungen, die sich schnell erledigt haben, allerdings ist es vorhin soweit gekommen, daß ich mir sicher bin, daß es einen oder sogar zwei tote gegeben hätte wenn ich nicht eingegriffen hätte.
In Kasten 9, in dem seit 4 Jahren gebrütet wird, ist vor ca einer Woche ein Paar angekommen, welches nicht direkt in den ersten Stunden super harmonisch aneinander gekuschelt war, aber dann doch ab dem ersten Abend zusammen eng beieinander jeden Tag zusammen im Nest ineinander sitzend verbracht und geschlafen hat. Also ging ich davon aus, daß es wohl das angestammte Paar in der richtigen Besetzung ist, was ich immer noch für möglich halte.
Heute Abend, als wir gerade beim Abendessen waren und noch ein Laptop wegen unserer Turmfalkenkücken an hatten, auf dem ebenso die MSs Videos laufen, kam es nach dem Abendeinflug zwar zu lautem andauerndem, aus unserer Sicht aber fröhlichem standard Abendbergrüßen. Da das Laptop aber nicht zu uns gedreht war hatten wir keine Bild dazu, nachdem 10min Dauerbegrüßung in extremer Lautstärke pausenlos lief haben wir angefangen Späße zu machen und gesagt es reicht es gibt sowas wie Nachtruhe auch für Mieter etc, nach weiteren 5min und leerem Teller habe ich dann für den Tee das Laptop gedreht damit man die Ruhestörer sehen kann. Es wurde schnell klar, daß es hier um Leben und Tod ging. Es waren 3 Segler im Kasten und zwei davon seit nunmehr 15min extremst agressiv ohne voneinander abzulassen, komplett verkeilt, rollierend am kämpfen.
Daraufhin bin ich ins Dach und wollte sie trennen und draußen wieder freilassen, und weil es noch immer etwas Restdämmerung gab dachte ich mir wird der Sieger oder der angestammte vielleicht sogar nochmal einen Einflug starten. Tatsächlich ließen sich die Beiden aber auch im Garten nicht voneinander trennen. Da sich auch ein Fuß, von dem sich immer noch agressiv bekämpfenden Knäul in meine Hand verkrallt hatte, konnte ich sie auch nicht über dem hohen Gras in die Luft werfen um bei ihnen Automatismus des Gleichgewichtsorgans auszulösen. Nach einem mal die Hand vom Boden bis 2m in einer schwerelos Parabel schnell geführt hat es dann endlich geklappt, sie haben mich losgelassen und sind selber dann erst 20cm überm Gras auseinander und haben es sogar aus der Höhe noch ohne Bodenberührung geschafft in den fast schwarzen Himmel aufzusteigen, zusammen, direkt hintereinander.
Keine 20sec später flog dann der Erste wieder Loch 9 an und beim zweiten Versuch war er drin, allerdings folgte im sofort der Zweite und im Kasten begann genau daselbe Gemetzel von vorn.
Diesmal schnell überlegt was jetzt noch sinnvoll ist und dann entschieden, daß sie in die zwei unbesetzten Kästen auf der gleichen Hausseite einzeln kommen.
Der Gedanke war, daß es mehrere Konstellationen gibt, fremdes Männchen, fremdes Weibchen, oder allgemeiner Streit um einen Kasten. So oder so war es mittlerweile zu dunkel, als daß ein Ausflug heute nochmal in einem Einflug geendet wäre und damit wäre für heute erstmal Ruhe.
Es hat auch geklappt, aber es hat 10 lange, schmerzhafte Minuten gedauert und es waren Dinge notwendig die ich nicht erwartet hätte, sowas kennt man sonst nur von Greifvögeln, jetzt weiß ich Bescheid und werde das nie mehr im t-shirt machen.
Ich nehme Vögel, wenn sie nicht wegfliegen sollen und ich sie mit der Hand transportiere immer direkt an den Bauch als dritte Hand, dann braucht es weniger festes Zufassen als wenn man sie nur in den Händen hält und man hat sie noch sicherer, besonders bei einem unhandlichen Knäuel.
Als ich sie nun erneut als fest verkralltes Knäuel aus dem Kasten nahm hat sich allerdings sofort eine Kralle komplett unter meine Bauchhaut unter dem Solar Plexus gebohrt und zusätzlich eng daran gezogen, das ganze natürlich durch das t-shirt sodaß man selbst im Halbdunkel auch mit der verrutschten Kopflampe nur festellen konnte, daß der Einstichfuß von den Körpern und dem shirt komplett abgedeckt wurde und ich den Fuß nicht erreichen konnte.
Es war auch nicht so, daß nun einfach so verharrt wurde, nein es wurde weiter und noch verbissener attackiert und die füße noch fester zugekrallt, und der hintere hat wie ein Specht auf den Anderen eingehackt was dann meine mittlerweile blutigen Finger, weil auch noch ein anderer halber Fuß drin hing abgefangen haben, damit sie sich in der Situation nicht noch weiter massakrieren.
Unmöglich diesen mittlerweile sich auf mich ausgeweiteten Knoten zu lösen.
Irgendwann nach endlosem probieren habe ich dann den Not-Eimer Trinkwasser, der immer mit Ausstiegsstock für eventuell im Dachboden verirrte Spatzen angesteuert und mich darüber gebeugt und angefangen mit der anderen Hand Wasser auf die Beiden zu spritzen und siehe da erst wurden die meist zugekniffenen Augen geöffnet und dann wurde endlich losgelassen.
Die Elemente Feuer und Wasser sind wohl noch ausreichend gut in den Genen einprogrammiert.
Dann jeder in einen Kasten, Klappe zu medizinischer Alkohol auf meinen Bauch und endlich Frieden.
Morgen wird dann besonders kontrolliert und auch auf die anderen Kästen geachtet.
Für die MS müssen ihre eigenen Krallen wie kleine Messer bzw Fänge von Grifftötern sein, anders ist es auch nicht zu erklären, daß sie sich töten können.
Da wir keine Daueraufnahmen von den Cams machen hat meine Frau als ich beim zweiten mal hoch bin eine Aufnahme gemacht bis ich nach ihr um Hilfe gerufen habe
