Fragen und Antworten rund um den Mauersegler, Vorstellung von Projekten und Kolonien
Alex
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Re: Kämpfe bei Mauerseglern

Beitrag von Alex »

traudich hat geschrieben: Mo 4. Mai 2026, 21:14 Hallo Andreas,
ich werde mir das Video nicht ansehen. Hier hatte ich ähnliche Situationen. Ständig gab es Kämpfe .. kaum hatte ich die Situation auf meine spezielle Art beenden ging bald darauf das Spektakel von Neuem los.😩LG
Hallo zusammen,,,

bei uns gab es gestern auch einen Kampf mit Todesfolge.
Der Segler aus Kasten 15 ist ( warum auch immer) in Kasten 10 eingeflogen und wurde sofort attackiert.

Hatte ich schon öfter mal beobachtet..

Aber dieses Mal haben sie ihn geschnappt und getötet.

Ich hoffe nur wenn der Partner aus Kasten 10 kommt er bald eine neue Beziehung anfängt.

Und sollte ich wieder einmal einen Kampf mitbekommen, werde ich sofort dazwischen gehen.

Gruß Alex und Patrizia
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traudich
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Re: Kämpfe bei Mauerseglern

Beitrag von traudich »

Hallo Alex,
die sich oft in gleichen Kästen wiederholenden Kämpfe sind für mich auch nicht nachvollziehbar.
Da für mich das Eingreifen recht problemlos ist war selbiges ziemlich verlockend für mich. Ich habe mich aber auch oftmals gefragt, wie sinnvoll es ist🤔. Nach dem Bericht von dir und Andreas werde ich wohl weiterhin nicht nur ein Auge auf die Zankkähne haben😉. LG
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Andreas
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Re: Kämpfe bei Mauerseglern

Beitrag von Andreas »

Alex hat geschrieben: Do 7. Mai 2026, 11:55 Aber dieses Mal haben sie ihn geschnappt und getötet.
Hallo Alex,

das tut mir sehr leid, ich weiss wie sich das für Euch anfühlt :cry:

Aber das erscheint mir nicht logisch: Mauersegler bekämpfen doch angeblich immer den Eindringling nur des gleichen Geschlechts, den sie am Ruf erkennen. Bei mir hat es sich vermutlich so abgespielt, dass entweder der Eindringling oder der Partner versehentlich seinen richtigen Partner erwischt und festgehalten hat. Er saß in der Ecke, der von ihm Festgehaltene davor auf dem Rücken. Die Angriffe richteten sich dann vom freien Vogel ausgehend auf den auf dem Rücken liegenden Vogel, vermutlich weil DAHINTER ja immer wieder (der Festhaltende) mit geschlechtsspezifisch gleicher Tonlage gerufen hat.

(Etwas kompliziert, ich hoffe man kann es verstehen. Ich bin mir deshalb so sicher, weil am Abend des Kampfs mit Todesfolge leider das angestammte Paar im Kasten nicht mehr vollständig war. Nebenan, im Kasten von dem der Eindringling herkam, dagegen schon.)

Ein Paar sollte einen Eindringling eigentlich zusammen niemals so lange bis zum Tode attackieren. Ich habe es schon oft erlebt, dass ein Partner recht teilnahmslos daneben saß, während der andere schlimme Kämpfe mit einem Eindringling - vermutlich des gleichen Geschlechts - ausgefochten hat.
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H.-G.
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Re: Kämpfe bei Mauerseglern

Beitrag von H.-G. »

Hallo zusammen!
Was da erst bei Andreas und nun kurz darauf bei Alex passierte, ist einfach nur schrecklich und ich drücke allen, die eine Kolonie betreuen, aber auch ihren Seglern die Daumen, dass sich so etwas nicht bald wiederholt.
Trotzdem ist es jetzt ganz wichtig, nicht gleich in Hysterie zu verfallen. Kämpfe sind ein normaler Bestandteil des Kolonielebens und wir können sie nie ganz verhindern.
Wenn wir einen Kampf unterbrechen, ist laut Erich Kaiser die Chance groß, dass die Streithähne sich bald nach der Trennung wieder im Kasten treffen und die Sache zu Ende bringen.
Eingreifen würde ich nur, wenn einer der Kontrahenten erkennbar in Not ist. Dabei gebe ich aber zu bedenken, dass das oft nicht einfach zu erkennen sein dürfte, da z.B. der dominante meist auf dem Rücken liegt und seinen Gegner von hier aus festhält und bearbeitet. Die schwierige und ganz sicher gefährliche aber häufige Situation, dass ein Segler am Eingang gehalten und an der Flucht gehindert wird, ist sowieso fast nicht störungsfrei zu beenden. Da kann es oft nur hilfreich sein, den gehaltenen Segler bis zum Abflug zu bewachen und ggf Prädatoren zu verscheuchen (wie das @Thömmes ja auch schon musste). Ich selber habe beim Eingreifen in einen Kampf den Eigner des Kastens beinah vertrieben. Er blieb danach mindestens vier Tage weg.
Zum Glück sind tödliche Zwischenfälle wirklich selten, obwohl Kämpfe sozusagen zum Standartrepertoire einer Kolonie gehören.
Ich bemühe mich im Vorfeld, die Ursachen für körperliche Auseinandersetzungen zu minimieren. Dazu gehört, die Einflüge möglichst vor Verwechslungen zu schützen. Ich kann mir auch vorstellen, dass es hilft, den Untergrund und die Seitenwände eines Kastens so griffig zu gestalten, dass ein unterlegener Segler sich bei seiner Flucht daran halten und so leichter entkommen kann.
Zu guter Letzt werden wir wohl akzeptieren müssen, dass unsere so charismatischem Segler neben dem Hang zum Kolonielebens auch eine dunkle Seite in ihre Wiege gelegt bekommen haben: ihre Ansprüche ggf mit Körpereinsatz und Kraft durchzusetzen. Das haben sie vielleicht mit uns gemeinsam und ich glaube auch nicht, dass sie die besseren Menschen sein sollen und wollen.
Ich wünsche Euch allen aber eine wirklich friedliche und störungsfreie Saison.
LG H.-G.
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Thömmes
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Re: Kämpfe bei Mauerseglern

Beitrag von Thömmes »

Hallo Zusammen,


Lieber Alex,

es tut mir auch bei Dir sehr leid, dass ein Segler bei einem heftigen Kampf zu Tode kam

Als Hauptgrund für schwere Kämpfe sehe ich die zeitlich sehr stark gespreizte Rückkehr der Brutvögel. Manche BV warten 2 Wochen auf den Partner, viele nicht und die gegengeschlechtlichen Tiere verbinden sich zu neuen Paaren. Sie müssen das irgendwann tun, da für die Brutphase nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung steht.

Wenn der angestammte Partner zurückkehrt und das neue Paar schon in die Brutvorbereitungen eingetreten ist, gibt es besonders heftige Kämpfe, weil der Preis im Sinne der Arterhaltung dann für den Verlierer/Verliererin extrem hoch ist.

Die Brutsaison dürfte für das unterlegene Tier dann gelaufen sein. Weibchen, die schon in der Eiproduktion sind, brauchen den Nistplatz auch, um ihre Eier abzulegen. Sie können ja nicht, wie andere Vögel, ihre Eier bei Verlust des Nistplatzes einfach auf den Boden legen. In der Luft ist eine Eiablage nicht möglich und die Weibchen sterben dann häufig an Legenot, falls sie nicht irgendwo einfliegen können, wo sie ihr Ei ablegen können (Quelle: Mauerseglerklinik)

Das gilt natürlich auch bei Haussanierungen in der Brutzeit.

Weiterhin bieten wir natürlich bei effizienter Ansiedlung eine große Menge gleichförmiger Nisthilfen in sehr nahem Abstand zueinander an. Dadurch kann es zu Fehleinflügen kommen, auch wenn die Brutvögel nahezu fehlerfrei sind. Irgendeinen Grund, dass der einfliegende Vogel abgelenkt ist, wird es immer mal geben. Ein Nistkasten ist immer eine Sackgasse, wo der Eindringling den Nistplatzbesitzern sehr nah kommt und sich ggf. ein heftiger Kampf entwickelt.

Naturnester sind meist weit verstreut und die Einflüge sehr individuell und schwierig für fremde Segler. Das Problem mit Neuverpaarungen und spät zurückkehrenden Partnern gibt es hier natürlich auch und somit auch heftige, zuweilen tödliche Kämpfe.

Auch, wenn Kämpfe nicht tödlich enden, ist es für die Kontrahenten sehr gefährlich. Neben der schutzlosen Exposition für Prädatoren, kommen dabei oft gefährliche Keime in die Wunden und die Vögel versterben im späteren Verlauf trotzdem (Quelle: Mauerseglerklinik). Laut MSK hat das in den letzten Jahren stark zugenommen und als Grund wird der immer schnellere Brutplatzverlust ohne fachkundige Ersatzmaßnahmen angenommen.

Es wird zunehmend von Fundvögeln berichtet, die nach Kämpfen erkranken und irgendwann am Boden liegen. Mit einer antibiotischen Behandlung lassen sich diese Tiere retten, aber es wird vermutlich nur ein sehr kleiner Prozentsatz gefunden und die anderen versterben irgendwo.

Es ist also sehr komplex.

Liebe Grüße
Thomas
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H.-G.
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Re: Kämpfe bei Mauerseglern

Beitrag von H.-G. »

Guten Morgen zusammen!
Nun kann auch ich mich in die Gruppe einreihen, bei denen ein Mauersegler im Kampf sein Leben lassen musste.
Schon gestern Abend hatte ich einen abgebrochenen Einflug in "Starenkasten"2 beobachtet, als das Paar vor Ort war. Heute morgen kam es um kurz vor halb acht zur Auseinandersetzung. Das Ergebnis habe ich erst in der Frühstückspause bemerkt.
Es sieht so aus, als wenn der Eindringling den ansässigen Gegner sofort strategisch günstig erwischt und von Anfang an deutlich überlegen ist . Der Partner greift kurz mit ein, scheint aber seinen Irrtum zu bemerken und hält sich dann raus.
Ich werde versuchen, das nach der Arbeit noch genauer zu analysieren.
Dann muss ich wohl noch die Leiter anstellen und einen potentiellen Federspender bergen.
Es gibt sicher Wochen, die schöner anfangen. Ich bin mir aber immer bewusst gewesen, dass solche Auseinandersetzungen zum Leben einer Kolonie dazugehören. So werde ich auch weiterhin nur gebremst eingreifen, hoffe aber, dass es nie eine Wiederholung gibt.
LG H.-G.
Traurig
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Re: Kämpfe bei Mauerseglern

Beitrag von traudich »

Das häuft sich ja in diesem Jahr🫣
Kann mir vorstellen, dass ein Entkommen im Starenkasten ziemlich schwierig ist. LG
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Regina
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Re: Kämpfe bei Mauerseglern

Beitrag von Regina »

;( Oh, wie traurig, das tut mir leid, lieber H.-G.! Vielleicht hilft der Gedanke, dass durch eine eventuelle Federspende einem anderen Segler geholfen werden kann. LG, Regina
(Ansiedlungsbeginn 2019: seitdem 47 JV ausgeflogen)

2026: Erwartete MS: 10 / Kästen: 6
Eingetroffen: alle, 1. Rückkehrer 30.04. / 2 neue VP
Eier: 16 (1x4 / 4x3)
Schlupfe: 13 (11 lebende Küken)
K1: 04.+04.+07.06. 1=>tot
K2: 11.+12.06.
K5: 12.+13.+14.06.
K3: 18.+18.+20.06. 1=>tot
K6: 24.+25.06.
Gestartete JV: 11 von 11
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H.-G.
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Re: Kämpfe bei Mauerseglern

Beitrag von H.-G. »

Hallo Siegrid!
Es gab schon mehrere, z.T. heftige Kämpfe in diesen Kästen. Da war Entkommen aber kein Problem.
Ich hatte den Eindruck, dass der Angreifer das spätere Opfer schon beim ersten Kontakt durch seinen Zugriff fluchtunfähig gemacht hat.
Liebe Grüße H.-G.
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Re: Kämpfe bei Mauerseglern

Beitrag von H.-G. »

Als ich heute Nachmitag nach Hause kam, wurde ich von meinem Nachbarn mit der Frage begrüßt, ob bei mir ein Segler gestorben sei. Ich dachte schon, dass er im Forum gelesen hätte. Es war aber anders: er hatte auf seinem Balkon und einem Strauch daneben Reste eines Seglers gefunden (Flügel, Kopf), allerdings schon vor ein paar Tagen. Was wieder einmal zeigt, dass auch außerhalb der Kästen Gefahren lauern.
Ich habe dann den toten Segler aus "Starenkasten"2 geborgen. Dabei konnte ich keine äußeren Verletzungen erkennen. Er fühlte sich leicht an, wog aber 40g. Er wartet jetzt in der Truhe auf eine mögliche Verschickung nach Frankfurt.
Zwei Verluste an einem Tag - das fühlt sich nicht gut an. Ist aber nun mal passiert und nicht mehr zu ändern.
Ich werde aber jetzt nicht nervös, sondern werde meine Politik des moderaten Eingreifens beibehalten, die sich bisher als richtig erwiesen hat. Nun- Mauersegler sind offensichtlich in der Lage, sich zu verletzen oder gar zu töten. Sie sind aber überwiegend sehr zärtlich im Umgang miteinander, haben es gelernt, in der Luft als soziale Gruppe sehr kraftvoll aufzutreten.
Wegen all dem liebe ich diese Vögel, die so recht in hat kein Klischee zu passen scheinen.
Ein bisschen sind sie damit Vorbild für mich, wobei ich zwar mehr auf ihr charismatisches Auftreten blicke, aber die dunkle Seite nicht ganz vergesse.
LG H.-G.
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