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H.-G.
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Re: Waschbär

Beitrag von H.-G. »

Hallo zusammen!
Nachdem ich im letzten Jahr selber zum ersten Mal einen Waschbären auf meiner Garage entdecken konnte und bei Freunden eine Waschbärin ihre Jungen unter einem Gartenhaus großzog, habe ich mich mehr mit dem Thema beschäftigt. Es kann sogar sein, dass der Link zum folgenden Artikel irgendwo aus dem Forum kam. Auch hier in Verl hat der Waschbär in den letzten Jahren deutliche Zuwächse geschafft. Ich erinnere mich gut an die Mitteilung eines Bekannten, dass auf einem Hof in ca fünf km Entfernung nach Pachtwechsel vom neuen Pächter/Jäger in einem Winter 18 Waschbären gefangen wurden. Eine Freundin, die Krötenzäune mitbetreut, berichtet von abgezogenen Krötenhäuten neben den Fangeimern - ein sicheres Indiz, dass der "Schwerverbrecher", wie er oben ironisch genannt wird, wieder zugeschlagen hat.
Der folgende Artikel hat mich sehr beeindruckt, da er weder polemisch, noch effekthascherisch über Folgen der 90-jährigen Waschbärbesiedlung berichtet. Dass ein Fallbeispiel baumbrütende MS im Harzvorland sind, machte mich vielleicht noch etwas betroffener.
Ornith-Jber-Heineanum_30_0017-0046.pdf
(12.94 MiB) 21-mal heruntergeladen
Ein zweiter Bericht geht in die selbe Richtung:
Vogelwarte_56_2018_0029-0032.pdf
(581.59 KiB) 16-mal heruntergeladen
Wir werden wohl irgendwie mit dem neuen Bewohner klarkommen müssen, weil wir ihn nicht mehr loswerden. Ein possierlicher, intelligenter und charismatischer Neubürger sagen die einen, ein ökologischer Alptraum für fast alle gefährdeten Arten sagen andere. Tatsache: er ist beides. Meine Freunde waren begeistert von den im Garten spielenden Jungtieren. Verständlich. Ich habe ein Video gesehen, in dem eine Waschbär zwei recht große Uhujunge erbeutet (das hätte ich lieber nicht gesehen ;(). Waschbären sind nicht schuldig oder hinterlistig und haben sicher nie darum gebeten, nach Deutschland gebracht zu werden. Das waren Menschen, die nicht mit solchen Konsequenzen gerechnet haben. Aber auch die Beutetiere, die hier z.T. an den Rand der Ausrottung gebracht werden, haben nicht um diesen neuen Mitbürger gebeten! So scheint es, dass Menschen diesen Fehler auch so weit wie möglich korrigieren sollten.
Meine persönlichen Konsequenzen werden dem Waschbären wohl kaum beeindrucken. Ich werde alles tun, damit er meinen Garten meidet und, sollte er meiner Kolonie zu nahe kommen, deutlich reagieren (elektrischer Weidezaun hält nicht nur Wölfe auf), hoffe aber, dass ich das nie muss. Vor allem werde ich Jäger, die hier ihre Verantwortung ernst nehmen, nicht verteufeln.
In einer Internetmitteilung erfuhr ich letztens, dass ein Metzger, der sich Jäger ist, Waschbären auch kulinarisch verwertet. Irgendwie habe ich zwar keine Lust auf Waschbärwurst - aber ganz sinnlos wäre das wohl nicht :S .
So hoffe ich, dass die kleinen, hübschen, zerstörerischen, bestialischen, intelligenten, charismatischen Räuber ihre Ausbreitung etwas verlangsamen. Das haben etliche Invasoren nach einem furiosen Start gemacht - ein Gefühl sagt mir aber, dass der Waschbär auch da eine Ausnahme macht.
Liebe Grüße H.-G.
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Frank
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Re: Waschbär

Beitrag von Frank »

@Maddin
Findest du, dass er ein stattliches Exemplar ist?
Ist doch sicher gängige Normalgröße...
Das höre ich zum ersten Mal, dass man Sichtungen melden soll. Wem meldet man sie?
Dem zuständigen Jäger?
Wie ich im Netz gelesen habe, gibt es für Alttiere in einigen Bundesländern sogar vom 1. April bis zum 31. Juli eine Schonzeit .
Unsere Stadt interessiert es jedenfalls nicht, wenn man Waschbärsichtungen meldet.

@H.-G.
Meine Bezeichnung als "Schwerverbrecher" ist natürlich der Gesichtsmaske geschuldet, welche ich aber durchaus chick finde.
Ansonsten bin ich auch kein Fan von ihnen.
Im Winter waren sie im Garten und haben jedesmal die Meisenringe aufgefressen. Dabei haben sie mir auch noch einen stärkeren Ast der Sauerkirsche abgebrochen.
Er ist leider, wie fast alles invasive, durch uns Menschen eingeschleppt worden. Da hast du vollkommen recht, H.-G.
Eine Bejagung soll aber nicht hilfreich sein, weil sie sich dann um so mehr vermehren.
Komischerweise gab es vor kurzem im Fernsehen eine Äußerung von einem NABU Mitarbeiter, daß der Waschbär gar keine Schäden verursachen würde und man ihn deswegen auch nicht bejagen sollte.
Ob diese Aussage so stimmt... ​​​​🤔

https://nabu-gifhorn.jimdo.com/flora-un ... %C3%A4r/

Gruß Frank
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H.-G.
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Re: Waschbär

Beitrag von H.-G. »

Moin, Frank!
Mir ist die Aussage des NABU Gifhorn viel zu einseitig und gegen Bejagung gerichtet. Das erscheint mir dann doch zu ideologisch! Da erwarte ich von einem Profi eine differenziertere Beurteilung! Das, was da geschrieben wird, stellt dem Waschbär quasi einen Persilschein aus - und das ist sicher wenig hilfreich. Wenn dort schon geschrieben wird, dass es unter den Wirbeltieren meist Amphibien treffe, wird da wohl komplett ignoriert, dass gerade diese zu den am meisten gefährdeten Tieren in Deutschland gehören.
Selbst bei oberflächliche Recherche habe sogar ich mehrere Fälle gefunden, in den Bestände von Wendehals und anderen Höhlenbrütern durch diesen Neubürger an den Rand der Auslöschung gebracht wurden. Wo hat dann der Profi nachgelesen???
Ich möchte den Waschbären nicht verteufeln und mir tut individuell sicher jeder von ihnen leid, der in einer Falle auf sein Schicksal wartet. Aber das darf auch kein Grund sein, ihn komplett zu verharmlosen.
Wie heißt es so schön: Weniger ist oft mehr. Im Falle des Waschbären sicher eine zutreffende Aussage.
Gruß H.-G.
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