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H.-G.
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Re: Der Hausrotschwanz

Beitrag von H.-G. »

Hallo Martin!
Das wird nicht ganz einfach! Wahrscheinlich müsste das Rotschwänzchen gefangen und in eine Auffangstation gebracht werden. Das kann man aber leider nicht mal eben so machen - und ob es in diesem Fall überhaupt erlaubt ist, weiß ich nicht einmal.
Unterstützung durch Füttern? Ich kann mir kaum vorstellen, dass Rotschwänzchen die im Handel angebotenen Weichfutterfresser- Mischungen (oft als "Fettfutter" bezeichnet) annehmen. Natürlich kannst Du eine kurze Zeitspanne mit Mehlwürmern überbrücken. Danach müsstest Du aber auch andere Insekten anbieten, wie sie im Terrarienfachhandel ja auch zu bekommen sind (z.B. Grillen, Heimchen, Obstfliegen oder Wachsmottenlarven). Das würde dann allerdings - gelinde gesagt - ein ziemlich teures Unterfangen. Dazu kommt das Problem, dass bei Futterangebot unter freiem Himmel andere das Angebot wahrscheinlich vor dem RS entdecken würden. Gerade Meisen sind da sehr findig und würden sich sicher freuen, eventuell aber auch Amseln, Sperlinge oder überwinternde Stare. Zumindest Kohlmeisen können aber auch so dominant auftreten, dass der eigentliche Adressat überhaupt nicht zum Zuge kommen würde.
Vielleicht ist es möglich, Futter, wie z.B. Mehlwürmer, zuzuwerfen, wenn Du nah genug herankommst. Da RS stark auf Bewegungen kleiner Gegenstände reagieren, besteht sogar eine gute Chance, dass der Kleine das Futter erkennt. Die Bewegung des werfenden Armes wird er aber auch wahrnehmen und wahrscheinlich davon in die Flucht geschlagen. Natürlich könntest Du auch Futter mit einem dünnen Plastikrohr oder -schlauch wie mit einem Blasrohr verschießen. Nicht wirklich appetitlich, aber wohl besser als werfen. Hier könnte das Zischen beim "Schuss" kontraproduktiv sein (aber bitte nicht inhallieren :o - das wäre dann ja auch unerwünschte Nahrungskonkurrenz :lol: ). Aber sicher einen Versuch wert.
Leider fallen mir keine besseren als diese eher kurzfristigen Lösungsansätze ein. Ich glaube, dass ich ganz gut verstehen kann, wie es Dir mit dem RS geht. Ich hatte vor zwei Jahren bei einer Schneephase mit z.T. zweistelligen Minusgraden plötzlich eine Mönchsgrasmücke am Futterplatz, die zuerst nur Äpfel pickte, was mir kaum ausreichend erschien. Da war ich schon sehr dankbar, dass sie nach ein paar Tagen auch das Fettfutter annahm und die Kältephase von mehr als 10 Tagen auch überstanden hat. Da Mönchsgrasmücken gern Früchte fressen war das aber auch leichter als bei RS, die meines Wissens reine Insektenfresser sind.
Zuletzt bleibt die Frage, ob es gut ist, in diesem Fall einzugreifen. Gesetzt, das RS würde nur durch Deine Hilfe den Winter in Deutschland überstehen, hätte es als erster im Brutgebiet sogar einen Vorteil gegenüber den Heimkehrern aus dem Süden. Sollte aber seine Reiseunlust genetisch bedingt sein, ist damit zu rechnen, dass auch einige seiner Nachkommen dieses Problem vererbt bekommen. Und wer hilft dann denen???
Tatsächlich würde ich aber zu helfen versuchen, in der Hoffnung, dass sich das RS bald auf den Weg macht und mit etwas Glück seine verspätet angetretene Reise erfolgreich beendet. Immerhin befinden sich noch weitere Artgenossen in Deutschland (z.B. bei Dir in der Nähe in Oelsnitz - Quelle Ornitho.de). So gehe ich aber auch davon aus, dass beim Hausrotschwanz der späte Wegzug öfter vorkommt. Wahrscheinlich habe auch ich heute bei einem Spaziergang in der Senne noch einen gesehen. Da geht's mir bei den Rotschwänzchen ein bisschen wie zuletzt bei den Freiburger Alpenseglern: Ich hoffe, sie wissen, was sie tun.
Liebe Grüße H.-G.
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Frank
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Re: Der Hausrotschwanz

Beitrag von Frank »

Hallo Martin!

Ich beobachte schon seit vielen Jahren, daß die Schwänzchen Deutschland erst sehr spät verlassen und im Frühjahr sehr zeitig wieder da sind. Vor 2 Tagen war das Männchen hier aus seinem Revier (Brutpaar von meiner Halbhöhle) auch noch am Futterhaus. Sie bedienen sich da von den klein gehackten Erdnüssen.
Ich würde mir da nicht so viele Sorgen machen.
Das Futterhaus hatte ich um den 4. Oktober auf der Brüstung angebracht. Seitdem waren sie, wie in jedem Jahr, hier oft Futter fassen.
Vielleicht hast Du ja auch ein Futterhaus stehen und kannst klein gehackte Erdnüsse anbieten?
"Versuch macht kluch..." :rolleyes:

Ich drücke die Daumen und hoffe, Du berichtest hier fleißig...

Gruß Frank
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Frank
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Re: Der Hausrotschwanz

Beitrag von Frank »

Quelle: Nabu
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/ ... 12855.html

Auswirkungen des Klimawandels

Die Klimaveränderungen der letzten Jahre beeinf lussen das Wanderverhalten von Zugvögeln immer mehr. Dürreperioden in der Mittelmeerregion treten genauso wie in Afrika immer öfter auf, während die Spätwinter- und Frühjahrsmonate in West- und Mitteleuropa zunehmend milder und feuchter werden. Unter diesem Einf luss kehren auch die Gartenrotschwänze früher in ihre Brutgebiete zurück. Da die Vögel im Sommer obendrein später in ihre Winterquartiere aufbrechen, hat sich ihr Aufenthalt bei uns gegenüber früheren Jahren schon spürbar verlängert.

Der nur kurze Strecken ziehende Hausrotschwanz überwintert inzwischen sogar in zunehmender Zahl in Deutschland – zum Beispiel in großen und „warmen“ Industriekomplexen am Rhein. So kommt es, dass Hausrotschwänze schon im März von den Dächern singen, während sich die Gartenrotschwänze noch auf dem Heimweg in ihre Brutgebiete befinden.

Ist beim Hausrotschwanz auch so, wie beim Gartenrotschwanz...

Quelle: Nabu
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/ ... otschwanz/

Zugverhalten

Hausrotschwänze ziehen im Herbst in den Norden Afrikas und in den Nahen Osten. Im Frühling geht es zurück in die Brutgebiete. Jungvögel erschließen sich dann oft neue Reviere. Vereinzelt bleiben Vögel auch im Winter hier. Teilweise ziehen Brutvögel anderer Regionen bei uns durch.
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Frank
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Re: Der Hausrotschwanz

Beitrag von Frank »

Guten Morgen!

Sonntag, 26.11.2023, - 2,5 °C, leicht verschneit, sonnig, locker bewölkt

Vorhin gegen 8.15 Uhr, erschien das Männchen des Hausrotschwanzes wieder am Futterhaus.
Ich war leider mit dem Objektiv nicht schnell genug... :S

Allen einen schönen 🌞-tag!
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Biebser
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Re: Der Hausrotschwanz

Beitrag von Biebser »

Guten Morgen,
danke für Eure Antworten und Tipps.
Ein Futterhaus habe ich und da liegen auch gehackte Erdnüsse drin. Ich verteile noch paar Beeren.
Letztes Jahr war ein RS Paar den ganzen Winter über gesichtet. Der RS ist hier auch schon immer Anfang/Mitte März auf den Dächern. Vielleicht ziehen die Erzgebirgischen RS nur Richtung Rhein, da ist es im Winter ja fast so warm wie hier der Sommer :lol:
Ich beobachtet mal ganz unaufgeregt weiter.

LG Martin
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H.-G.
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Re: Der Hausrotschwanz

Beitrag von H.-G. »

Hallo Martin, hallo Frank!
Wenn sie tatsächlich Erdnussbruch zu sich nehmen, habe ich ihre Ansprüche wohl zu hoch eingeschätzt. Dann werden sie aber sicher auch andere Bestandteile vom Fettfutter aufpicken, was die Hilfe deutlich vereinfachen dürfte.
Möglicherweise machen die Hausrotschwänze gerade das, was die Amseln vor ein paar Jahrzehnten gelernt haben: sie überwintern zu einem großen Teil im Brutgebiet oder ziehen nur noch kurze Strecken. Wenn die Versorgung irgendwie gewährleistet ist, wird sich - auch dank des Klimawandels - diese Strategie zunehmend durchsetzen.
Biebser hat geschrieben: So 26. Nov 2023, 10:32 Vielleicht ziehen die Erzgebirgischen RS nur Richtung Rhein, da ist es im Winter ja fast so warm wie hier der Sommer :lol:
Was das betrifft, könnte ich mir vorstellen, dass es da im Winter eher noch etwas wärmer ist ;) :shock: :lol:
LG H.-G.
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Frank
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Re: Der Hausrotschwanz

Beitrag von Frank »

Letzte Nacht - 5,5 °C und es liegen 10 cm Schnee bei uns.

Vorhin gegen 12 Uhr kam das Weibchen des Rotschwänzchenpaares aus der Halbhöhle und flog ins Futterhaus zur Nahrungsaufnahme.
Hätte ich das gewußt, daß sie über den Winter hier bleiben, dann hätte ich das Nistmaterial in der Halbhöhle belassen... :S
Wichtig ist jetzt, daß sie auch jeden Tag Futter im Vogelhäuschen vorfinden!

Gruß Frank
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H.-G.
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Re: Der Hausrotschwanz

Beitrag von H.-G. »

Hallo Frank!
Hoffentlich haben Deine Rotschwänzchen die letzten, noch kälteren Tage gut überstanden. Ich finde es schon bemerkenswert, dass bei Dir gleich ein komplettes Paar überwintert. Wenn's schon die Eltern so machen, frage ich mich, wie sich der Nachwuchs verhält. Könnte Dein Weibchen sogar einer der JV sein? Es werden sich noch viele ähnliche Fragen stellen lassen, auf die wir (noch) keine Antworten finden. Vorerst ist es aber das Wichtigste, dass sie bei der Kälte ausreichend Futter finden. Ich glaube, da haben sie bei Dir wirklich Glück gehabt!
Gruß H.-G.
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Re: Der Hausrotschwanz

Beitrag von Biebser »

Hallo Frank,
da geht es dir ja wie mir. Hoffentlich bekommen die Vögel genug Nahrung.

Bei mir sind es auch 2RS. Heute hab ich ein Männchen gesehen. Beide sind Nahrungssuchend umher gezogen. An meiner Futterstelle hab ich sie noch nicht gesehen. Keine Ahnung wie lange beide durchhalten.

Drücken wir die Daumen das sie es schaffen :roll:

LG Martin
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Frank
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Re: Der Hausrotschwanz

Beitrag von Frank »

Hallo!
Das wird schon klappen, mit den Schwänzchen.
Sie sind wahrscheinlich anpassungsfähiger, als wir denken.
Ob das Weibchen nun ein Jungvogel von diesem Jahr ist, kann ich natürlich nicht sagen. Ich glaube aber eher nicht, da die Alttiere ihr Revier ja konsequent verteidigen und die Jungvögel sich relativ schnell, ein eigenes Revier suchen müssen.
Sehr wahrscheinlich übernachtet das Pärchen auch nicht in der Halbhöhle. Die Nächte werden sie sicherlich drüben, im dichten, schützenden Bewuchs auf dem nahen Friedhofsgelände verbringen.

Gruß Frank