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Thömmes
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Re: Parasitenbestimmung auf Küken (Vorsicht, Fotos)

Beitrag von Thömmes »

Hallo Katty,

ich denke, wie es H.-G. auch schon geschrieben hat, dass die Rotschwänzchen sowohl die Fliegen als auch die Maden fressen. Sie halten auch penibel ihre Nester sauber und entfernen haarklein Alles was da nicht hingehört, vermutlich auch noch viel kleinere Parasiten. Dadurch kann sich in den Nestern keine hohe Parasitenlast entwickeln.
Die Schwalben halten ihre Nester kaum sauber und fangen ihre Nahrung quasi nur im Flug. Gegenüber Maden oder auch kleinen Parasiten, die zwischen oder auch unter den Küken sitzen, wie Läusen/Wanzen/Milben sind sie ziemlich hilflos. Das Übrige tut dann noch der Klimawandel indem die Nester im Winter nicht mehr einige Tage mal mit -15 - -20 °C durchfrieren und die Sommer mit ihren langen Dürre- und Hitzephasen begünstigen eine explosionsartige von Parasiten aller Art.

Liebe Grüße
Thomas
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Katty
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Re: Parasitenbestimmung auf Küken (Vorsicht, Fotos)

Beitrag von Katty »

Danke für Eure Erklärungen, das klingt auf jeden Fall plausibel. Ich wundere mich aber weiterhin, dass "meine" Schwalben anscheinend die einzigen sind, die mit diesen Fliegenlarven zu kämpfen haben. Wir wohnen praktisch zwischen einem alten Kuhstall und einer Pferdeweide, eigentlich ja perfekt für die Schwalben. Die Mehlschwalben, die überall an den höheren Häusern im Giebel nisten, haben alle reichlich Jungschwalben hervorgebracht. Rauchschalben sehe ich dagegen kaum dazwischen. Blöde Geschichte, aber ich weiß jetzt ja für die Zukunft, was ich tun kann. Die neuen Nester liegen hier schon und wenn die Schwalben endgültig ausgeflogen sind, wird einmal durchgetauscht. Vielleicht gibt es ja eine zweite Brut, dann kann ich wenigstens schon mal sehen, ob das Spruzid die Plage verhindern kann.

Viele Grüße

Katty
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Frank
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Re: Parasitenbestimmung auf Küken (Vorsicht, Fotos)

Beitrag von Frank »

Hallo Katty!

Ich hatte auch schon so überlegt, ob es vielleicht am Standort liegen könnte?
Vielleicht ist der Bereich schon etwas vorbelastet, wodurch auch immer?

Mir bereitet es Sorgen, wenn so etwas auch bei den Mehlschwalben passieren könnte.
Hatte das schon mal jemand? Ich wüßte jedenfalls nicht, wie man den Kleinen dann helfen könnte?
Wie soll man sie aus dem einen Nest raus bekommen und wie in das nächste Nest hinein... :S
Ich mag gar nicht daran denken.
Hoffentlich bekommst Du bald ein paar hilfreiche Antworten von den Entomologen. Bin schon sehr gespannt darauf!

Gruß Frank
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H.-G.
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Re: Parasitenbestimmung auf Küken (Vorsicht, Fotos)

Beitrag von H.-G. »

Hallo!
Heute morgen fand ich im Giebelkastennest Nr. 1 einen fast flüggen toten Jungvogel. Er lag auf dem Rücken. Sein Brustgefieder bewegte sich leicht und ich dachte sofort an Maden, die den toten Körper befallen haben. Ich entfernte ihn vorsichtig mit einem Spachtel, legte ihn in einen Eimer und untersuchte den schon stark riechenden Körper.
Wie erwartet befanden sich unter dem Vogel Maden. Was mich stutzig machte, waren Anzahl, Größe und Farbe der Maden. Wenn draußen mal ein Kleinvogel oder eine Maus verendet liegen bleiben, sind sofort Goldfliegen zur Stelle. Etwas später erscheinen dann meist auch andere Fliegenarten, so dass der Kadaver nach ein bis zwei Tagen meist von Maden übersäht ist. Dieser JV kann maximal dreieinhalb Tage tot gewesen sein. Trotzdem fanden sich erst mal nur drei Maden darunter (bei Goldfliegen wären es sicher dutzende gewesen).
Diese Maden waren aber ziemlich groß. Was mich am meisten erschreckte, war ihre dunkle, leicht rötliche Färbung. "Normale" Fliegenmaden kenne ich nur in heller! Ich musste sofort an @Katty und ihre Rauchschwalben denken. Im direkten Vergleich ist der Körper allerdings nicht ganz so leuchtend rot.
DSC_0099.JPG
Inzwischen hatten die Maden aber auch den Körper weitgehend gefressen. Beim Absuchen konnte ich nach und nach 54 dieser Maden entfernen. Von der Größe her müssten die sich bald verpuppen. Deshalb befinden sie sich jetzt in einer Futtertierbox mit ein paar Sägespänen, um die Entwicklung abzuwarten.
Ich habe danach das Nest und einen der JV nochmals genauer untersucht und weder weitere Maden noch Bissverletzungen gefunden. So hoffe ich, dass die paar Tage bis zum Ausfliegen gut vergehen. Ab heute steht dieses Nest unter besonderer Beobachtung.
Gruß H.-G.
Als ich die Maden absammelte erschien eine kleine Schlupfwespe, die sich sehr dafür interessierte. Ich habe sie mehrmals aus der Futtertierbox mit den Maden hinausgesetzt. Ich habe gelesen, dass Erzwespen ihre Eier in die Puparien von (Vogelblut)-Fliegen legen. Ob sie auf Vogelblutfliegen spezialisiert sind oder alle größeren Arten parasitieren, weiß ich leider nicht. Im Falle von befallenen Nestern kommen sie aber wohl stets zu spät. Vielleicht sind sie aber öfter als wir wissen prophylaktisch wirksam.
Als ich die Maden absammelte erschien eine kleine Schlupfwespe, die sich sehr dafür interessierte. Ich habe sie mehrmals aus der Futtertierbox mit den Maden hinausgesetzt. Ich habe gelesen, dass Erzwespen ihre Eier in die Puparien von (Vogelblut)-Fliegen legen. Ob sie auf Vogelblutfliegen spezialisiert sind oder alle größeren Arten parasitieren, weiß ich leider nicht. Im Falle von befallenen Nestern kommen sie aber wohl stets zu spät. Vielleicht sind sie aber öfter als wir wissen prophylaktisch wirksam.
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Katty
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Re: Parasitenbestimmung auf Küken (Vorsicht, Fotos)

Beitrag von Katty »

Ohje, wie scheußlich. Ich finde, sie sehen den Larven an den Schwalben sehr, sehr ähnlich. Diese waren ja auch nur am Anfang so rot. Sobald sie vom Vogel gesammelt wurden und ein Weile ohne Blut-Nachschub waren, sind sie dunkler geworden. Dazu kann ich noch nachtragen, dass die in die Heimchen-Box gesperrten Larven nach dem Verpuppen nun auch geschlüpft sind. Auch dort kam die bläulich schimmernde Fliege zum Vorschein. Ich bin gespannt, was bei Dir schlüpfen wird.
Wir haben mittlerweile alle Nester im Carport gegen welche mit Spruzid behandelte ausgetauscht. Im Rotschwänzchen Nest fanden wir fünf leere Puppen, keine weiteren Puppen oder Larven. Im Schwalbennest waren unzählbar viele leere und noch gefüllte Puppen. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, wie die bei einem Austausch-Rythmus von drei Tagen in dieser hohen Zahl und Größe wieder auftauchen. Leider habe ich von den Fachleuten außer einer Mitteilung, meine Mail weitergeleitet zu haben, noch nichts gehört. Vielleicht kommt das noch. Evtl. werden wir den Austausch-Rythmus auf zwei Tage verkürzen, sollten die nächsten Küken trotz Spruzids wieder befallen werden.
Katty
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Re: Parasitenbestimmung auf Küken (Vorsicht, Fotos)

Beitrag von Katty »

H.-G. hat geschrieben: Mo 10. Jul 2023, 17:04 Hallo!
Von der Größe her müssten die sich bald verpuppen. Deshalb befinden sie sich jetzt in einer Futtertierbox mit ein paar Sägespänen, um die Entwicklung abzuwarten.
Moin H.-G.,

haben sich Deine Larven verpuppt und sind eventuell schon Fliegen geschlüpft? Ich bin sehr auf das Ergebnis gespannt.

Viele Grüße

Katty
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H.-G.
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Re: Parasitenbestimmung auf Küken (Vorsicht, Fotos)

Beitrag von H.-G. »

Hallo Katty!
Ja und nein :D . Verpuppt haben sie sich nach einiger Zeit (hat aber - wenn ich mich Recht erinnere) über eine Woche gedauert), geschlüpft ist aber noch keine. Wenn es soweit ist, möchte ich den Fliegen mit einem Macro-Objektiv auf den Leib rücken. Wenn es viele werden, füttere ich sie mit etwas Honig, Pollen und Wasser an und vergesellschaftet sie dann mit meinen Korallenfingerfröschen - dann hätte der frühe Tod meines Seglers wenigstens ein ganz kleines Bisschen Sinn gehabt :mrgreen: .
Unter der Nestmulde des besagten Kastens habe ich bei einer kurzen Sichtkontrolle noch ein paar weitere Fliegenpuppen gesehen. Die werde ich auch noch einsammeln und separat schlüpfen lassen. Wahrscheinlich waren das die ersten, die den toten Segler verlassen haben.
Ich werde auf jeden Fall von den Ergebnissen berichten. Außerdem ist es mir wichtig, dass keine der geschlüpften Fliegen frei kommt und hier vielleicht im nächsten Jahr ihr Unwesen treibt.
Liebe Grüße H.-G.
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H.-G.
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Re: Parasitenbestimmung auf Küken (Vorsicht, Fotos)

Beitrag von H.-G. »

Moin!
Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor. An dieses Goethe-Zitat musste ich denken, als ich die geschlüpften Fliegen das erste Mal sah.
Blick in die Grillenbox mit verschieden alten Fliegen (die helleren Exemplare sind etwas später geschlüpft).
Blick in die Grillenbox mit verschieden alten Fliegen (die helleren Exemplare sind etwas später geschlüpft).
Gestern Abend tauchten die ersten Imagines in der Grillenbox auf und kamen mir gleich ziemlich vertraut vor, denn diese Fliegen tauchen immer wieder mal auf. Durch Internetrecherche (Suchbegriff "schwarzgraue Fliege") bin ich jetzt bei Sarcophaga, am ehesten S. carnaria gelandet.
Graue Fleischfliege(Sarcophaga Carnaria?)
Graue Fleischfliege(Sarcophaga Carnaria?)
So weit, so gut. Allerdings stehen die Maden dieser Art im Verdacht, auf Regenwürmer als Nahrung spezialisiert zu sein. Auf Aas spielen sie eher keine Rolle. Weiteres Suchen ergab, dass da schon mal eine forensische Bedeutung besteht und dass sie bei ungünstigen Bedingungen die ersten am Aas sein können (Ja was denn nun?!?). Bilder der Maden zeigten keine Ähnlichkeiten, wobei ich den Verdacht hege, dass für Madenfotos im Internet meist nur wichtig ist, dass eben Maden darauf zu sehen sind - welche Art ist dann von eher untergeordneter Bedeutung. Es wird dann noch erwähnt, dass die Maden für Myiasis (Madenbefall lebender Tiere oder Menschen) verantwortlich sein können, aber was heißt in diesem Zusammenhang schon "können"?
Zusammengefasst mit dem, was ich bei meinem toten JV vorgefunden habe, kann ich nur sehr unsichere Schlüsse ziehen:
  • es handelt sich trotz des ähnlichen Aussehens der Maden nicht um Vogelblutfliegen (Protocalliphora). Schon mal gut
  • die Eier, die zum Madenbefall führten, könnten nach dem Tod des JV dort abgelegt worden sein.
  • Da ich diese Fliegen regelmäßig beobachte, gleichzeitig aber nur einen einzigen Befall bei sicher über 100 MS-Küken hatte, scheinen sie als MS-Parasiten keine große Rolle zu spielen
Natürlich steht diese Fliegengattung ab jetzt unter Beobachtung und ich werde weitere Zwischenfälle auch sofort im Forum melden. Ich rechne aber nicht damit, dass das so schnell noch einmal vorkommen wird. Es wäre natürlich nicht ganz auszuschließen, dass besagte Fliegen eine hier neu auftretende Art dieser Gattung sind, die hier bisher noch keine Rolle spielte (Man kann die verschiedenen Arten oft nur am unterschiedlichen Genitalapparat er Männchen sicher unterscheiden, sonst sind Unterschiede kaum oder nicht zu erkennen ;( ). Ich überlege, ob ich nicht sicherheitshalber ein paar Exemplare einfriere (so richtig Lust darauf habe ich aber ehrlich gesagt nicht). Sollten sich dann solche Fälle in den nächsten Jahren wiederholen, könnten sie als Belegexemplare dienen. Ansonsten hoffe ich aber, dass besagte Fliege eher ein Opfer der MS wird als umgekehrt.
Liebe Grüße an alle, die bis jetzt noch nicht angewidert abgeschaltet haben.
H.-G.
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Re: Parasitenbestimmung auf Küken (Vorsicht, Fotos)

Beitrag von Katty »

Danke H.-G. für die Infos, ich fand es super interessant. Bzgl. meiner Nachfrage bei den Fachleuten hat sich leider noch niemand gemeldet. Vielleicht haben die alle Urlaub? Ich frage dort auf jeden Fall nach.

Ich finde die Abhandlung über diese Fliegen super wichtig und hilfreich, da ich bei meiner Suche im letzten Jahr nichts dazu gefunden hatte. Wenn man jetzt aber die Namen der quälenden Fliegen hat, findet man zahlreiche Informationen.

Die zweite Brut im Carport entwickelt sich prächtig, keinerlei Quälgeister im Nest. Wir haben es profilaktisch kurz nach dem Schlüpfen getauscht und die Umgebung mit Kieselgur abgepudert. Anscheinend ist das Besprühen des Nests mit Spruzid hilfreich (natürlich ein leeres und im Anschluss ausreichend getrocknet). Ich hoffe, es bleibt so ruhig im Nest.

Viele Grüße

Katty