Umweltschutz

Dodo
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Re: Umweltschutz

Beitrag von Dodo »

Forstwirtschaft im Umbruch?

Die Borkenkäfer-Kalamität hat hier (und andernorts) das Landschaftsbild verändert.
Abgestorbene Fichten, wohin das Auge schaut. Es wird mächtig geholzt in den Wäldern und Kahlflächen machen sich breit.
Ich nehme es auch mit den Ohren wahr, dass der Wald nicht mehr da ist. An unserer Kleinstadt läuft die Autobahn über einen Höhenzug entlang. Der Stadtkern liegt in einer Senke. Auf dem Höhenzug gegenüber wohne ich. Die AB läuft Luftlinie 2 bis 3 km weg. Der Schall wird jetzt ungebremst zu mir herüber getragen. In einem Nachbarort wird jetzt Wasser aus dem Rhein der Bevölkerung angeboten. Das Gezeter ist groß. Elektrogeräte hätten schon den Geist aufgegeben, weil das Wasser zu hart sei. Auf der Höhe ist der Grundwasserspiegel beträchtlich gesunken. Drei Jahre haben das bewirkt.
Die Bevölkerung reagiert vorausschauend, öffentliche Bäder müssen in den Zeiten schließen. In immer mehr Haushalten sehe ich jetzt Swimming-Pools stehen.
Der Ruf nach klimarestistenten Baumarten bei Neuaufforstung wird immer lauter.
Das hat Folgen für heimische Insekten und Vogelwelt, weil Bäume Nahrungsquelle mit ihren Früchten und Samen sind.
Von den Forstleuten wurde immer nachhaltiges (vorausschauendes) Handeln verlangt.
Von Bestandsgründung bis zum Erntehieb gehen womöglich vier Generationen ins Land. Ihre Denke ist aber auch dem Zeitgeist untergeordnet. Seit dem 17. Jahrhundert wurde die Fichte immer stärker angepflanzt, auch in Böden, die ihr gar nicht behagen. Die Folge: verheerende Windwürfe. Noch immer wurde im Waldbau nichts umgestellt. Das hat auch mit der Sägeindustrie zu tun, deren Produktivität durch Einsatz neuer (Säge-) Technologie einen enormen Bedarf signalisierte.
Noch in den 60zigern wurde jede geschlagene Fichte im Wald mit einem Schäleisen entrindet. Dadurch vermied man Käferbefall (geschlagene Fichte in Rinde sind Futter für den Käfer, dieses Holz ist als Bauholz nicht verwertbar). Die Sägeindustrie orderte in Rinde (um Schälkosten zu sparen).
Der Forst griff bei dem Mengenbedarf in die Chemiekiste und brachte Lindan auf die Polter aus.
In Kulturen wurde Ripcord 40 ausgebracht.
Anfangs ging man damit recht sorglos um, bis Arbeiter erkrankten. Ein Sündenfall der Forstwirtschaft. Spätestens in den 70-zigern wurde klar, dass der Borkenkäfer die Fichte eliminieren könnte. Man setzte Pheromonfallen ein, um die Population einschätzen zu können und reagierte mit entsprechendem Einschlag.
In den letzten Jahren habe ich eine deutliche Zurückhaltung bei dem Fichteneinschlag hier gesehen.
Erklärtes politisches Ziel war der Waldumbau hin zu Mischwäldern.
Ich erinnere mich an einen Fernsehauftritt eines Forstamtsleiters. Der erklärte die Fichte schon vor Jahren zur einer aussterbenden Baumart.
Es ist denkbar, dass die Forstwirtschaft mit einer Verknappung des Angebotes auf den Preis Einfluss nehmen wollte und zu zögerlich mit dem Einschlag war. Der Nachweis ist nur schwer zu erbringen.
Die Klimaveränderung hat der Forst nicht zu verantworten auch die Anpflanzung geschah oft auf kommunalen Druck.
@Markus hat sich darüber gewundert, dass die Fichte immer noch angebaut wird.
Es mag Standorte geben, wo sie gedeihen kann. 39 Vogelarten wurden auf der Fichte beim Verzehr von Samen und Früchten gezählt, übertroffen wird sie nur von Vogelbeere (63) und Vogelkirsche (48). Auch die Rote Waldameise ist auf Fichtenbestände angewiesen, davon lebt Schwarz- und Grünspecht.

Gruß Maddin
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Fichten-Kahlschlag
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Markus
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Re: Umweltschutz

Beitrag von Markus »

Hallo Maddin,

Dodo hat geschrieben: Mi 30. Dez 2020, 21:27 Es mag Standorte geben, wo sie gedeihen kann. 39 Vogelarten wurden auf der Fichte beim Verzehr von Samen und Früchten gezählt, übertroffen wird sie nur von Vogelbeere (63) und Vogelkirsche (48). Auch die Rote Waldameise ist auf Fichtenbestände angewiesen, davon lebt Schwarz- und Grünspecht.
Ja die Tierwelt war nach Abholzung der Urwälder gezwungen sich anzupassen, und ist es durch menschengemachte Veränderungen immer mehr.

Das Grundübel werden wir nicht mehr verhindern können, hierfür ist es meines Erachtens zu spät, auch die Klagen unserer Nachkommen werden wir nicht mehr hören.

Ihr aber, wenn es so weit sein wird dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist
gedenkt unserer mit Nachsicht.
Bertolt Brecht 1898-1956


LG
Markus
Saison 2022
Segler Nistplätze/ von 9/ 3 belegte Nester
+ Verlobungspaar.
Ankunft: 6 von 6
Eier = insges. 9
Küken= 9
Abflüge = 9

Der Alpensegler - Livestream startet wieder ab März 2023.

https://www.youtube.com/channel/UCUIH4M ... IbV1BEw1ew
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traudich
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Re: Umweltschutz

Beitrag von traudich »

Heute 21 Uhr im ZDF Frontal 21; ich denke eine empfehlenswerte Sendung.
LG
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Küken: 37 davon ausgeflogen: 48
Adoptivküken: 12
VP:1 Handaufzucht: 1 :)
Dodo
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Re: Umweltschutz

Beitrag von Dodo »

Die anhängenden Fotos hat meine Frau gemacht. Bei einer Wanderung zum Köppel.
Ein beliebtes Ausflugziel auf der Montabaurer Höhe.
Köppel
Köppel
Ausblick
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Man kann jetzt viel weiter Gucken. Bald freie Sicht zum Mittelmeer.

Gruß Maddin
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traudich
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Re: Umweltschutz

Beitrag von traudich »

Gelinde gesagt wundere ich mich auch immer wie viele Bäume, aus welchen Gründen auch immer, gefällt werden. Heißt es doch immer, dass Bäume das CO/2 binden und durch die Trockenjahre der Wald starkt geschädigt ist :huh:
Hier entsteht gerade eine Debatte über ein mehrere Hektar großes Waldgebiet welches zu einer Abstellfläche für Auto`s, die "auf Halde gebaut" wurden, gerodet werden soll. Also: Bäume weg- Biotop plattmachen- Autos hinstellen, die keiner mehr will.
LG
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Dodo
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Re: Umweltschutz

Beitrag von Dodo »

Der DDA (Dachverband Deutscher Avifaunisten) hat die 'Rote Liste' überarbeitet.

Der Steinwälzer und der Würgfalke wurden für ausgestorben erklärt. -Wohl kaum einer hat sie je zu Gesicht bekommen.
In die höchste Gefährdungskategorie (vom Aussterben bedroht) sind aber Arten wie Knäkente, Raubwürger und Sperbergrasmücke gekommen. Der Raubwürger ist mir kein Unbekannter.

In der Vorwarnliste finden sich jetzt Kleinspecht, Kuckuck und Gänsesäger.
Die Beutelmeise ist in die höchste Bedrohungskategorie vorgerückt: 'Vom Aussterben bedroht'
43% von 259 hier brütenden Vogelarten sind 'in ihrem Bestand gefährdet'.

Die Rauchschwalbe und der Steinkauz gelten nicht mehr als unmittelbar gefährdet und nehmen jetzt einen Platz in der Vorwarnliste ein. Rotmilan und Haussperling wurden gar von der Vorwarnliste genommen.

Gruß Maddin
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Elisabeth
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Re: Umweltschutz

Beitrag von Elisabeth »

Dodo hat geschrieben: Sa 31. Jul 2021, 21:12 Der DDA (Dachverband Deutscher Avifaunisten) hat die 'Rote Liste' überarbeitet.

.......

Die Rauchschwalbe und der Steinkauz gelten nicht mehr als unmittelbar gefährdet und nehmen jetzt einen Platz in der Vorwarnliste ein. Rotmilan und Haussperling wurden gar von der Vorwarnliste genommen.

Gruß Maddin
Hallo Maddin,
ich verstehe nicht so richtig, wie man eine rote Liste für ganz Deutschland erstellen kann. :roll:
Die Verbreitung ist ja regional sehr unterschiedlich.
Der Steinkauz z.B. ist außer in Hessen und Baden-Württemberg (da steht er jeweils auf der Vorwarnliste) in allen anderen Bundesländern in die Kategorien 0-3 einsortiert.
Wieso ist er dann Deutschlandweit nur auf der Vorwarnliste?
https://www.dda-web.de/index.php?cat=se ... en&id=7570

Wahrscheinlich ist es aussagekräftiger jeweils in die Landeslisten zu schauen, wenn man sich für eine bestimmte Vogelart interessiert.
Liebe Grüße
Elisabeth
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Dodo
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Re: Umweltschutz

Beitrag von Dodo »

Hallo Elisabeth,

die Systematik vom DAA durchschaue ich auch nicht so ganz.
Mir stieß auf, dass der Rotmilan von der Vorwarnliste gestrichen wurde, obwohl die Bestände im Osten abgenommen haben, Zunahmen aber im Süddeutschen zu verzeichnen waren.
Wird da gemittelt?

Die Bestandserhebungen von denen gelten als sehr präzise.

Gruß Maddin
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traudich
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Re: Umweltschutz

Beitrag von traudich »

Heute ist Wahltag...nicht vergessen!!!!
LG
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